Archiv für Juni 2009

Kandidaten zur Agrogentechnik

30. Juni 2009

Im September steht die Bundestagswahl an und das Kreuz an der richtigen Stellealle Parteien beginnen so langsam ihren Wahlkampf. Höchste Zeit, sich auch mal mit den Inhalten zu befassen, und zwar nicht nur mit denen der Parteien selbst, sondern auch mit denen der Kandidaten. Was vertreten sie für eine Auffassung und für was wollen sie sich einsetzen?

Der Umweltverband BUND hat genau das interessiert und die mehr als 1400 Direktkandidaten von CDU/CSU, SPD, Grünen, FDP und Linken zu Umweltthemen befragt. Eine Frage unter anderem ist: „Sind Sie für eine gentechnikfreie Landwirtschaft?“ – Auch für uns spannend herauszufinden, wie die einzelnen Kandidaten dazu stehen…

Auf http://www.bund.net/kandidatencheck kann man die Haltung jedes Kandidaten dazu sehen, wahlkreisgenau. Schaut nach…

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Filmfestival in Bayreuth am 24.06.2009

29. Juni 2009

Die Veranstaltung gestern Abend war sehr gut besucht, ca. 180 Leute, was aber auch daran lag, dass Professor Clemens seine Studenten „mitbrachte“. Dementsprechend verlief auch danach die Diskussionsrunde, d.h. die Betroffenheit der Zuschauer ließ sich nicht zu einem gemeinsamen Handlungsaufruf verdichten, sondern war vornehmlich vom Bestreben des Professors geprägt, seine Zunft nicht durch so schwarze Schafe wie Monsanto in Misskredit bringen zu lassen. Der Tenor unter seinen Studenten war, dass man nicht mit einem Film allein und schon gar nicht mit einem so offensichtlich tendenziellen wie diesen, sich eine Meinung bilden könne. Bei den meisten (weit weniger gescheiten) hinterließ er doch eine Betroffenheit, die die Zuschauer noch länger beschäftigen wird. So meine ich, war es insgesamt eine gelungene Veranstaltung.

Uwe Neukamm, Die Biobauern e.V. & Aktionsbündnis Gentechnikfreier Landkreis Nürnberger Land

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Mit 160 Zuschauern war der Kinosaal am 24.6. in Bayreuth voll besetzt. Danach wurde lange, intensiv und über die Agro-Gentechnik auch kontrovers diskutiert. Über die Beurteilung der Geschäftspraktiken von Monsanto aber war man sich einig.

Peter Ille, Bund Naturschutz Bayreuth

Bewegung in Brüssel

23. Juni 2009

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hatte im April die Genmaissorte MON810 verboten, wenige Wochen später aber die Genkartoffel Amflora (vom Konzern BASF) zugelassen und sich damit das Unverständnis vieler Gentechnikkritiker zugezogen.

Was aber hinter diesen Entscheidungen stand, waren in erster Linie „wissenschaftliche Beweise“… – laut ihrer Sprecherin konnten bei Amflora „keine negativen Einflüsse auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt“ festgestellt werden, beim Genmais MON810 gab es aber genau diese Bedenken. Deshalb die verschiedenen Entscheidungen.

Warum Frau Aigner so argumentierte, liegt auch an der Gesetzgebung in der EU. Wird eine gentechnisch veränderte Pflanze von der EU-Kommission zugelassen, kann ein Mitgliedsland den Anbau nur dann verhindern, wenn es neue Beweise für deren Gefahr für die Umwelt vorbringt und so ein vorübergehendes Anbauverbot aussprechen darf. Die EU-Kommission prüft dieses Verbot wiederum und entscheidet dann erneut. Lässt sie die Pflanze trotzdem zu, kann nur noch der Ministerrat mit Zweidrittelmehrheit den Anbau verhindern. (was bei der Genmaissorte MON810 in Frankreich, Österreich oder Ungarn der Fall war)

Da sich die EU-Kommission in solchen Fällen regelmäßig im Ministerrat eine Abfuhr einholt, macht sie auch jetzt keine Anstalten die Gentechnik-Kartoffel Amflora zuzulassen, obwohl die Europäische Lebensmittelsicherheits-Agentur EFSA die Pflanze als gesundheitlich unbedenklich einstufte (jedoch erstmals kein einstimmiger Beschluss zu Stande kam). Man wolle dem Ministerrat jetzt aber nicht Vorschläge unterbreiten, die dann eh wieder abgelehnt würden, so der Umwelt-Generaldirektor der EU-Kommission. Die vorherrschende Position des Ministerrats zu gentechnisch veränderten Organismen sei zurzeit eine andere.

Deshalb wird eifrig an der Veränderung der Zulassungsbestimmungen gefeilt. Mehrere EU-Länder haben nun den Vorschlag eingebracht, der vorsieht, dass die EU-Staaten selbst entscheiden können, ob in der EU zugelassene (gentechnisch veränderte) Pflanzen in ihrem Land angebaut werden, oder nicht. Der Vorschlag wird nicht nur von Gentechnikskeptikern getragen, sondern auch von Befürwortern wie den Niederlanden, die sich erhoffen, dass dann auch andere Staaten auf EU-Ebene für die Zulassung einzelner Pflanzen stimmen, in ihren Ländern aber dann ein Verbot einführen.

Der Vorschlag wird aber zunächst nur informell diskutiert und zudem wohl erst nach der Neu-Besetzung der Kommission entschieden.

Es würde aber die Möglichkeit für die EU-Staaten schaffen, auch politische Entscheidungen gegen Gentechnik zu treffen und sich nicht immer auf Gefahren für Marienkäfer beziehen zu müssen (obwohl diese hier nicht abgewertet werden sollen). Zwar gibt es weiterhin genügend Bedenken gegen GVOs und allein diese sollten für ein Verbot ausreichen, ein politisch motiviertes und von den Bürgern gewolltes kategorisches NEIN zu gentechnisch veränderten Pflanzen wäre dann aber leichter möglich…

Einkaufsratgeber von Greenpeace

19. Juni 2009

In Deutschland müssen Produkte von Tieren, bei deren Fütterung gentechnisch veränderte Pflanzen verwendet wurden, nicht gekennzeichnet werden. Während dies bei herkömmlichen pflanzlichen Produkten der Fall ist, herrscht bei tierischen Produkten eine erhebliche Kennzeichnungslücke. Zwar gibt es die Möglichkeit eines freiwilligen Siegels, Essen ohne Gentechnikwer jedoch auf Nummer sicher gehen will, der ist meistens überfordert.

Dazu gibt es aber nun Abhilfe: Greenpeace bietet seit kurzem die neue Ausgabe des Gentechnikratgebers 2009 „Essen ohne Gentechnik“ an!

Er listet alle Produkte auf, die mit Sicherheit ohne Gentechnik hergestellt wurden und gibt damit dem überwiegenden Teil der Deutschen, die Gentechnik in Lebensmitteln ablehnen einen Helfer zur Hand.

Zudem stellt der Ratgeber fest, dass immer mehr Unternehmen die Wünsche ihrer Kunden ernst nehmen und ohne Gentechnik produzieren. Als Beispiele sind hier nur der Lebensmittelhändler Tegut, die Molkerei Berchtesgadener Land, die Firma Hipp und ein Großteil der Geflügelfleisch-Industrie zu nennen.

Genaueres gibt es im Ratgeber selbst zu erfahren.

HIER zu bestellen…  oder als Download.

Filmfestival in Osnabrück am 14.06.2009

16. Juni 2009

In Osnabrück wurde der Film am 14.06. in der Lagerhalle gezeigt. Mit etwas 50 Leuten nicht ganz so gut besucht, wie erwartet/erhofft. Aber ganz OK. Vertreter von Greenpeace und attac standen anschließend dem Publikum noch Rede und Antwort zu weiterführenden Fragen.
Die Diskussion drehte sich vor allem um die Gefahren und die mögliche Einflussnahme. Bei den Gefahren wurde nachgefragt, was es in Deutschland und Europa für einen Stand bei der GVOs gibt und ob der Anbau von gentechnisch-veränderten Sorten auf Versuchsfelder unbedenklich wäre. Antwort: Es gebe bereits in Ländern wie Spanien und Bulgarien Anbau von gentechnisch verändertem Mais. In Deutschland bisher nur Versuchsfelder. Ob Versuchfelder oder flächendeckender Anbau sei vom Prinzip egal. Sobald GVOs freigesetzt sind – und das hat der Film auch gezeigt – kommt es zu Verunreinigungen.

Die Kennzeichnungspflicht in Deutschland wurde angesprochen: Hier gebe es eine, aber die gelte z.B. nicht für tierische Produkte. Wenn also Rinder GV-Soja essen, müsse dies nicht gekennzeichnet werden. Daraufhin wurde gefragt, ob es denn schon Studien gäbe, die belegen würden, dass ein Einfluss auf Tiere vorhanden sei, wenn sie die GVOs essen. Antwort: Ja. Es gibt inzwischen einzelne, die Effekte zeigen, die bedenklich sind. Aber – wie auch der Film zeigt – und wie auch an Beispielen für Deutschland belegbar ist, besteht die Freiheit der Wissenschaft in diesem Bereich kaum noch, sodass eine Vielzahl von kritischen Studien kaum zu erwarten ist.
Zur Frage, wo man Einfluss nehmen könne, wurde betont, dass zwar ein kritischer Konsument wichtig sei und z.B. mit Hilfe des Gentechnik-Einkaufsführers von Greenpeace Möglichkeiten der Wahl hätte, aber das es noch wichtiger ist, sich auch als politischer Mensch zu verstehen. Auch wenn enge Verstrickungen von Großkonzernen mit der EU-Kommission vorhanden sind und der Ministerrat kaum handlungsfähig, wurde dafür plädiert, vor allem auf die EU-Parlamentarier zu wirken.

Daniel Heggemann, Attac Osnabrück

Auch neue US-Regierung verbreitet „Grüne Gentechnik“

10. Juni 2009

100 Tage sind seit dem Amtsantritt von Barack Obama schon vergangen und vieles hat er bewegt und vorangebracht. Ganz neue Ideen sprudeln nun aus dem Weißen Haus, auch im Bereich der Landwirtschaft: ein Bio-Gemüsegarten wurde beim Landwirtschaftsministeriums und auch auf dem Gelände des Weißen Haus angebaut. Sogar die Bio-Fürsprecherin Kathleen Merrigan wurde als Staatssekretärin im Landwirtschafts- ministerium nominiert. Ihr möglicher Vorsitzender Tom Vilsack schlägt jedoch ganz andere Töne an: Nach dem G8-Gipfel im Juli will er die „Grüne Gentechnik“ im Rahmen der Außenpolitik von Obama verstärkt einsetzen. So meldete es zumindest die Verbraucherorganisation Organic Consumers Association und empfiehlt seinen Unterstützern, Protestbriefe an den Landwirtschaftsminister zu schicken.

Ein weiteres Zeichen dafür, dass auch die neue US-Regierung die Gentechnik in der Landwirtschaft weltweit verbreiten will, zugunsten von Konzernen wie Monsanto, und zu Lasten von Millionen von Kleinbauern in der Welt.

Auch die Wissenschaftsberaterin von Condolezza Rice, Nina Fedoroff – eine eindeutige Gentechnikbefürworterin – wurde von der neuen Außenministerin Hillary Clinton einfach übernommen und wirft den Europäern Gentechnikfeindlichkeit vor.

So viel Neues hat Obama dann nun doch wieder nicht gebracht… – zumindest in diesem Bereich.

Marsch gegen Gentechnik

9. Juni 2009

In der kommenden Woche startet die Aktion „Genfrei Gehen“ in Berlin mit einer großen Auftaktveranstaltung. Am 17. Juni findet um 19Uhr im Audimax der Humboldt-Universität ein Podium unter anderem mit Vandana Shiva und Percy Schmeiser statt (beide Träger des Alternativen Nobelpreises). INKOTA ist dort mit einem Infostand vertreten – wir würden uns über einen Besuch freuen.

Am nächsten Tag geht dann der Marsch von Joseph Wilhelm, Biopionier und Vorstand von Rapunzel Naturkost nach Brüssel los.

Mit dem Lauf, an dem sich JEDE/R beteiligen kann, soll ein aktives Zeichen gegen Gentechnik gesetzt werden. Die Tour wird von einer breiten Gruppe von Initiativen, Firmen und Verbänden nicht nur aus der Bio-Branche unterstützt und führt durch 3 Länder, auf insgesamt 38 gut zu Genfrei gehenbewältigenden Etappen. Dabei geht es z.B. durch Leipzig, Weimar, Marburg und Bonn. Zudem kommt es entlang der Route immer wieder zu Veranstaltungen zum Thema Gentechnik.

Zeigen sie der Gen-Lobby die rote Karte – Genfrei Gehen – Marsch für eine gentechnikfreie Welt

18. Juni – 28. Juli 2009, Startveranstaltung in Berlin ab 11 Uhr am Schloss Charlottenburg

nähere Infos: www.genfrei-gehen.de