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Wissenschaftler decken Gesundheitsrisiken bei Genmais auf

15. Dezember 2009

Französische Wissenschaftler haben belegt, was schon lange diskutiert wurde: Es gibt Gesundheitsrisiken beim Verzehr von gentechnisch veränderten Lebensmitteln.

Die Forscher des „Komitees für Forschung und unabhängige Informationen zu Gentechnik“ (CRIIGEN) werteten in unabhängigen Studien die gesundheitlichen Risiken von drei gentechnisch veränderten Maissorten aus. Pikanterweise handelt es sich hierbei auch um die Maisvariante MON810 von Monsanto, über deren Zulassung in den Koalitionsverhandlungen im Herbst diesen Jahres heiß diskutiert wurde – jedoch ohne Endergebnis (INKOTA berichtete). Vor allem die FDP sollte sich die wissenschaftlichen Ergebnisse genauestens durchlesen: Die Liberalen hatten sich im Oktober vehement für die Aufhebung des Anbauverbotes ausgesprochen.

Die Ergebnisse des Komitees sind alarmierend: Sie stellten in Fütterungsversuchen an Ratten schwerwiegende Veränderungen der Leber- und Nierenblutwerte fest. Diese Organe sind für die Filterung von Giftstoffen und Abfallprodukten im Körper zuständig. Darüber hinaus beobachteten die Wissenschaftler Veränderungen von Herz, Milz, Nebennieren, Gewicht einzelner Organe und dem Körpergewicht der Tiere. Je nach gv-Maisvariante variierten auch die Veränderungen im Blutbild und können insgesamt einer Störung der Stoffwechselfunktionen zugeordnet werden.

Die Europäische Zulassungsbehörde EFSA hatte 2007 einer Studie mit ähnlichen Ergebnissen widersprochen. Damals hatte das französische Forscherkomitee nur die Daten von einer Maisvariante (MON863) ausgewertet. Die neueste Studie bescheinigt gleich dreien gv-Maissorten (MON810, MON863, NK603) gesundheitliche Risiken. Zusätzlich bewertet sie neun weitere Varianten, die mit den drei untersuchten Sorten gekreuzt wurden. Die EFSA stufte diese Kreuzungen meist als ungefährlich ein, da ja die Ausgangsprodukte ebenfalls ungefährlich seien. Momentan sind die genannten Maisvarianten in der Europäischen Union für Import und Verarbeitung zu Futter- und Lebensmitteln erlaubt.

Neben den gesundheitlichen Folgen des Verzehrs von gentechnisch verändertem Mais ist ein weiteres Detail der Studie beunruhigend: Die Wissenschaftler attestieren den Studien, die Monsanto selbst in Auftrag gegeben hatte, verschiedene wissenschaftliche Unzulänglichkeiten. So hielt Monsanto statistische bzw. internationale Standards in der Konzeption und Durchführung nicht ein. Zudem fehlten der Studie des US-Konzerns wichtige Daten, um die Wirkungen des gv-Mais adäquat nachvollziehen zu können. Auch war der Zeitraum, in dem die Studie erhoben wurde, mit drei Monaten viel zu niedrig angesiedelt.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass Monsanto die Risiken vertuschen wollte, die nun dank der französischen Forscher offen gelegt wurde. Es ging nicht um die bestmöglichste Sicherheit der Verbraucher, sondern um pure Gewinnmaximierung des Unternehmens, das laut eigenen Angaben einen Jahresumsatz von über 11 Milliarden US-Dollar erzielt.

Die Divergenz zwischen den Studienergebnissen von Monsanto und den des französischen Forscherteams sollte vor allem die deutsche Regierung und die Europäische Union alarmieren, stärker unabhängige Studien und Wissenschaftler einzufordern, bevor sie gentechnisch veränderte Produkte für Import bzw. Verarbeitung zulassen. Die jüngste Entwicklung bescheinigt im Grunde, wie unkritisch die EFSA gegenüber Gutachten von Konzernen ist und wie skrupellos dies ausgenutzt wird. Der Großteil aller Entscheidungen, die die EFSA bezüglich der Genmaisvarianten und ihren Kreuzungen getroffen hat, bedarf einer genauen Prüfung und Überarbeitung.

Laura Möhr

INKOTA-netzwerk

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