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Online-Aktion für neue EU-Position im Umgang mit Gentechnik

17. März 2010

Die Nichtregierungsorganisation Avaaz will den Vorstizenden der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, dazu  aufrufen, den Umgang mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln anders zu gestalten. Ziel der Online-Aktion: Eine Million Unterschriften zwingen die Europäische Kommission zu einer Neupositionierung im Umgang mit Gentechnik. Die Initiative steht im Kontext der im Jahr 2009 eingerichteten Möglichkeit einer Europäischen Bürgerinitiative.  Auf der Avaaz-Website kann man sich an der Aktion beteiligen. Avaaz hat seit 2007 bei Onlineaktionen zu verschiedenen weltpolitischen Themen rund 17 Millionen Menschen eingebunden.

Hakon Albers

INKOTA-netzwerk

Mon810 bleibt vorerst verboten +++ Schädlinge schließen sich Resistenzbewegung an +++ Indien stoppt Monsantos Bt-Aubergine

24. Februar 2010

Vor kurzem berichteten wir über Anbau von Genmais in Deutschland. Gute Nachrichten: Die gentechnisch veränderte Sorte Mon810 bleibt in Deutschland vorerst verboten. Das ursprüngliche Problem bleibt jedoch bestehen: Zwar ruht die Klage Monsantos beim Verwaltungsgericht Braunschweig, Umweltaktivisten vermuten dahinter jedoch eine Strategie des Konzerns. Ziel sei wohl die gesamteuropäische Wiederzulassung zu erreichen. Weitere Infos gibt’s hier.

Die Unkräuter dieser Welt werden immer ungehorsamer. Monsantos Round up kann sie nicht mehr bändigen, wie wir bereits berichteten. Der weltweiten Resistenzbewegung treten nun auch die Schädlinge bei, die sich nicht mehr einfach durch das Bt-Gift töten lassen. Die Gene, die für die Produktion des Giftes verantwortlich sind, werden in transgene Pflanzen eingebaut, um sie resistent gegen bestimmte Schädlinge wie den Baumwollkapselbohrer oder den Maiszünsler (bei Mon810) zu machen. Bleibt zu hoffen, dass sich nicht ähnliche „Superschädlinge“ entwickeln wie neue Unkrautformen aus dem Boden sprießen.

In Indien hat öffentlicher Druck aus Wissenschaft und Umweltbewegung aus gutem Grunde die Bt-Aubergine Monsantos gestoppt. Dieser Druck muss auch in Europa aufrechterhalten werden, wenn die Zulassung von Mon810 und anderem transgenem Saatgut aufgehalten werden soll.

Hakon Albers

INKOTA-netzwerk

Rückkehr von MON-810?

2. Februar 2010

Trotz des Verbotes von MON-810 haben einige Landwirte den Anbau der Sorte angemeldet, um bei einer möglichen Aufhebung des Aussaatverbotes doch noch den Genmais in den Boden bringen zu können. Eine vorherige Anmeldung der Flächen ist dafür Pflicht und erfolgt unter Vorbehalt. Was versprechen sich die Landwirte von MON-810? Diese gentechnisch veränderte Sorte ist resistent gegen Befall durch den Maiszünsler, der in den betreffenden Regionen wohl vermehrt auftrat. Dabei begünstigt gerade der verstärkte Maisanbau in Monokultur die Verbreitung dieses Insekts. Die Schädigung anderer Schmetterlinge durch den Anbau dieser Maissorte kann nicht ausgeschlossen werden. Das Kippen des Verbotes ist dabei nicht mehr unrealistisch seit die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit nach einer neuen Studie keine Bedenken mehr gegen eine Wiederzulassung von MON-810 hat.

Derweil hat neben Campact (INKOTA berichtete) auch Greenpeace eine neue Aktion gegen Gen-Mais gestartet. Dabei dreht sich das Problem nicht nur um Mais. Die Protestaktion ist breiter angelegt und richtet sich beispielsweise auch gegen den Anbau der gentechnisch veränderten Kartoffelsorte „Amflora“, auf die zwei Greepeace-Aktivistinnen während der Grünen Woche 2010 im Januar bereits effektvoll aufmerksam gemacht hatten (INKOTA berichtete). Bleibt zu hoffen, dass Politiker durch diese Aktion wachgerüttelt werden, damit die gentechnikfreie Welt nicht wieder ein Stück weiter in die Ferne rückt.

Hier geht’s zur Aktionsseite: „Mach’ dich vom Acker“.

Hakon Albers,

INKOTA-netzwerk


Landwirtschaftsministerin Aigner: Blauer Brief von Campact

18. Januar 2010

Campact hat eine neue Online-Kampagne gestartet: Bei der „Kampagne Gentechnik“ handelt sich um eine Protestaktion gegen den aktuell gentechnikfreundlichen Kurs von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Schon knapp 27.000 Menschen haben sich dieser Kampagne angeschlossen und Aigner einen „Blauen Brief“ per E-Mail gesendet. Darin fordern sie die Ministerin auf, zu einer verantwortungsvollen Agrarpolitik in Deutschland und auf EU-Ebene zurückzukehren. Campact nimmt damit Bezug auf die bald in Brüssel bevorstehenden Abstimmungen im EU-Agrarrat über die Zulassung der Genmaissorten BT11 (Syngenta) und BT1507 (Pioneer). Darüber hinaus steht eine Neuabstimmung über die Maissorte MON810 von Monsanto an, die im April 2009 erfolgreich in der Bundesrepublik verboten wurde. Campact fordert Ilse Aigner dazu auf, mit einem klaren „Nein“ gegen die Zulassungen zu votieren und damit ihren umwelt- und verbraucherfreundlichen Kurs der letzten Legislaturperiode wiederaufzunehmen.

INKOTA kann sich der wichtigen Kampagne von Campact nur anschließen und hofft auf viele weitere Unterschriften und einen durchschlagenden Erfolg dieser Aktion!

Zur Protestaktion von campact.de

Laura Möhr,

INKOTA-netzwerk

China will Genreis und Genmais anbauen

14. Dezember 2009

Das Komitee für biologische Sicherheit des chinesischen Landwirtschaftsministeriums hat die Erlaubnis zum Anbau gentechnisch veränderten Reis und Mais erteilt. Es handelt sich hierbei um in China entwickelte Reis- bzw. Maisvarianten, die in den nächsten zwei bis drei Jahren großflächig angebaut werden sollen.

China, das knapp ein Drittel der weltweiten Reisernte und ein Fünftel der weltweiten Maisernte produziert, erhofft sich vom Anbau der gv-Sorten vor allem weniger Ernteausfälle und eine massive Ertragssteigerung. Der gv-Reis ist resistent gegen Schadinsekten und soll daher weniger Insektizide verbrauchen. Der gv-Mais verfügt über ein zusätzliches Enzym, Phytase, welches Masttiere Phosphor besser verwerten lässt.

Doch lässt die Regierung den Verbraucherschutz bei ihren Entscheidungen, die immerhin über 1,3 Milliarden Chinesen betreffen, vollkommen außer Acht: So wurde zwar die Zulassung veröffentlicht, jedoch keine weiteren Zulassungsunterlagen wie gesundheitliche oder umwelttechnische Informationen zu dem forciertem Anbau der gv-Sorten. Ebensowenig lässt das chinesische Landwirtschaftsministerium die Namen derjenigen verlauten, die die letztendlich bindende Entscheidung trafen.

Umweltschützer kritisieren zudem die Kommerzialisierung der gentechnisch veränderten Grundnahrungsmittel: Das Patentrecht der neu zugelassenen gv-Sorten liegt unter anderem bei ausländischen Firmen – unter anderem Monsanto und Syngenta, zwei der größten Konzerne im Weltagrargeschäft. China verkauft damit nicht nur Patente, sondern auch Kontrollrechte. Es besteht die Gefahr, dass chinesische Kleinbauern und -bäuerinnen unfreiwillig in Abhängigkeitsverhältnisse zu den Agrarkonzernen getrieben werden.

Die restriktive Informationspolitik der chinesischen Regierung erhält zusätzliche Brisanz durch die just veröffentlichte Studie französischer Wissenschaftler über drei gentechnisch veränderte Maissorten des US-Konzerns Monsanto: Sie stellen in ihrer Veröffentlichung sowohl erhebliche Gesundheitsrisiken für die Verbraucher fest als auch gravierende Mängel in den Studien von Monsanto.

Auch die Artenvielfalt von Mais ist durch gv-Varianten bedroht.

Chinas derzeitige Gentechnikpolitik muss also aus verschiedenen Blickwinkeln argwöhnisch beobachtet werden: Einerseits bezüglich der wachsenden Einflussnahme großer Agrarmächte wie Monsantos auf Chinas Landwirtschaft, andererseits wegen der Vertuschung möglicher gesundheitlichen Auswirkungen und Gefahren für die dortigen Verbraucher. Auch ist die Artenvielfalt von Reissorten in China von 43.000 (1946) auf 1.000 (2006) rapide gesunken, was eine Bedrohung der Ernährungssicherheit darstellen könnte.Der Anbau von Gentechnik-Reis wird die Reisvielfalt weiterhin minimieren.

Darüberhinaus stellt sich auch für die EU weiterhin die Frage, wie gut sie ihre Verbraucher vor gentechnisch veränderten Lebensmittelimporten schützen kann, wenn selbst die Gesundheitsrisiken der in der EU zugelassenen Maissorten nicht adäquat erkannt wurden.

Laura Möhr

INKOTA-netzwerk

Rückschlag im Kampf gegen Gentechnik

6. November 2009

maisEU erlaubt Einfuhr von neuen Genmais-Sorten

Nachdem in der Abstimmung des EU-Agrarministerrates Mitte Oktober keine qualifizierte Mehrheit für oder gegen die Einfuhr von drei neuen Genmais-Sorten in der Abstimmung zustande gekommen war, hat die EU-Kommission nun grünes Licht für die Einfuhr von drei Genmais-Sorten gegeben. Es handelt sich dabei um die Maislinien MON88017, MON89034 von Monsanto und 59122xNK603 von Pioneer, die alle gegen bestimmte Schädlinge immun sind und die in den USA angebaut wird. Die USA sind somit auch größter Profiteur der neuen Einfuhrregelung. Künftig werden damit auch Maisimporte in die 27 EU-Mitgliedsländer erlaubt sein, die „zufällige, technisch unvermeidbare“ Beimischungen der drei Maislinien bis zur Obergrenze von 0,9 Prozent aufweisen. Für nicht in der EU zugelassene gentechnisch veränderte Organismen (GVO) gilt weiterhin die Nulltoleranz.

Befürworter der Einfuhr von getechnisch veränderten Mais argumentieren, dass es zu massiven Preissteigerungen und Futtermittelnotständen kommen würde, wenn die EU an einem Verbot vder Einfuhr festgehalten hätte. Dieses Argument zeigt sich jedoch nach derzeitigen Recherchen längst nicht haltbar und kann leicht anhand einfacher Statistiken entkräftet werden.

Die EU knickt offensichtlich gegenüber der Genlobby ein. Es ist mehr als enttäuschend, dass die neue Kommission den massiven Widerstand gegen Gentechnik der VerbraucherInnen in den EU-Mitgliedsstaaten ignoriert.

Laura Möhr

INKOTA-netzwerk

FDP will Monsantos Genmais wieder erlauben

9. Oktober 2009

Die FDP hat sich in den laufenden Koalitionsverhandlungen der Arbeitsgruppe Agrar explizit für eine Aufhebung des Anbauverbots von Genmais MON810 ausgesprochen. Die Liberalen fordern zudem eine klare Stellungnahme der CDU. Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) hingegen sprach sich vehement für die Aufrechterhaltung des Anbauverbots aus. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte den Anbau von MON810 im April 2009 durch das BLV verbieten lassen, wogegen Monsanto vergebens klagte.

Falls FDP und CDU sich auf die Aufhebung des Verbotes einigen und somit auf die Aufweichung der Nulltoleranz für in der EU nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen einigen, sind fatale Folgen zu erwarten: Gentechnik ist nicht rückholbar und würde sich bei einer Aussaat unkontrolliert auch auf Nachbarfelder verteilen. FDP und CDU würden durch die Aufhebung des Verbotes die schwerwiegenden Gefahren der „grünen Gentechnik“ ignorieren und der Gentechniklobby – allen voran Monsanto – weiteren Aufwind geben.

Die starke Befürwortung der „grünen Gentechnik“ seitens der FDP lässt sich in ihrem Parteiprogramm 2009 nachlesen. Dort heißt es: „Forscher wollen forschen. […] Fusionsforschung, kerntechnische Sicherheitsforschung, Stammzellforschung, grüne Gentechnik, Biotechnologie und Nanotechnologie und Raumfahrtprojekte dürfen nicht stigmatisiert, sondern müssen in wettbewerblichen Verfahren unter transparenten und verantwortungsvollen Rahmenbedingungen gefördert werden.“

Doch gerade die angestrebte Förderung der Gentechnik bedeutet eine große Gefahr für Landwirte, die auf Gentechnik verzichten: Sie haben massive Wettbewerbsnachteile durch die Aufhebung des Verbotes zu erwarten. Gleichermaßen betroffen wären Verbraucher, die durch eine Lockerung der Nulltoleranz gentechnisch veränderte Produkte nicht mehr von anderen unterscheiden könnten.

Dabei hat eine Forsa-Umfrage, die im April 2009 erschienen ist, ergeben, dass mehr als drei Viertel der deutschen Bevölkerung ein „Ohne Gentechnik“- Siegel auf Produkten sinnvoll finden. Für 73 % der Befragten würde das Siegel maßgeblich für einen Kauf von gentechnikfreien Produkten beitragen. Eine Aufhebung des Verbotes und eine Lockerung der Nulltoleranz wäre daher ein Schlag ins Gesicht für die Verbraucher.

Mit einem weiterhin bestehenden Verbot von Gentechnik kann Deutschland ein Zeichen setzen, dass auch auf andere Länder ausstrahlt. Es bleibt abzuwarten, ob die neue Bundesregierung die Interessen ihrer Wähler oder die der Gentechniklobby wahren will.

Laura Möhr, INKOTA netzwerk