Posted tagged ‘Landwirtschaft’

Online-Aktion für neue EU-Position im Umgang mit Gentechnik

17. März 2010

Die Nichtregierungsorganisation Avaaz will den Vorstizenden der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, dazu  aufrufen, den Umgang mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln anders zu gestalten. Ziel der Online-Aktion: Eine Million Unterschriften zwingen die Europäische Kommission zu einer Neupositionierung im Umgang mit Gentechnik. Die Initiative steht im Kontext der im Jahr 2009 eingerichteten Möglichkeit einer Europäischen Bürgerinitiative.  Auf der Avaaz-Website kann man sich an der Aktion beteiligen. Avaaz hat seit 2007 bei Onlineaktionen zu verschiedenen weltpolitischen Themen rund 17 Millionen Menschen eingebunden.

Hakon Albers

INKOTA-netzwerk

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Monsantos fragwürdige Unternehmenspropaganda zum Klimaschutz

26. Februar 2010

In Sachen Außendarstellung kann so manche Corporate Responsibility Abteilung noch von den Kollegen bei Monsanto dazulernen. So rühmt sich der Konzern seit Kurzem damit, im Klimaschutz aktiv zu sein: Mit der pfluglosen Feldbestellung – „no tillage farming“ – spare man Treibstoff und damit nicht nur Kosten ein, sondern auf CO2-Emssionen. Also nicht nur gut für den Farmer und Monsanto, sondern auch fürs Klima, am Ende gar für die Weltgemeinschaft?

Wie so oft beim Thema Kohlenstoffdioxid, ist dies wohl erst einmal eine Frage der Rechenart. Pflügen ist treibstoffintensiv und bei pflugloser Feldbestellung wird so entsprechend eingespart. Pflüge sind schweres Gerät mit großen Arbeitstiefen im Boden und fordern den Schleppern ihre gesamte Motorleistung ab. Bei Verzicht aufs Pflügen bleibe zudem mehr CO2 im Boden gebunden, da dieser nicht aufgebrochen wird. Das Sparen von Treibstoff relativiert sich jedoch, wenn man an das Ausbringen von Round up (Monsantos bekanntes Totalherbizid), das dann vermehrt notwendig wird, denkt. „No tillage farming“ kann nämlich vor allem mittelfristig bei ausschließlicher Anwendung zur Verschleppung von Pilzkrankheiten und stärkerem Auftreten von Schädlingen und Unkräutern führen. Bedenkt man den steigenden CO2-Ausstoß, der bei der verstärkten Herstellung der Herbizide entsteht, verschlechtert sich die Rechnung weiter. Überlegt man zudem, dass beispielsweise in Südamerika riesige Waldflächen als CO2-Senken den Round up Ready (RR) Sojafeldern weichen müssen, fällt es schwer an ein Bremsen des Klimawandels zu glauben. Motivation Monsantos ist doch, dass „no-tillage farming“ dem Verkaufskonzept dient, nicht dem Kampf gegen den Klimawandel. „Round up Ready“ Sojabohnen und ordentliche Mengen Round up können so abgesetzt werden. Den Klimawandel stoppt das sicherlich nicht.

Im Vordergrund der Diskussion kann daher nicht die pfluglose Feldbestellung, die auch im biologischen Anbau zur Anwendung kommt stehen. Vielmehr ist die Instrumentalisierung von Argumenten durch den Konzern Monsanto der springende Punkt. Ist es nicht dreist, sich die von Hunderten von Wissenschaftlern im Weltagrarbericht negativ für das Klima benannten Folgen der industriellen Landwirtschaft als CO2 vermindernd durch „CO2-credits“ der UN fördern lassen zu wollen? Für diese Darstellung des „no tillage farmings“ in der Öffentlichkeit und seine Lobbyarbeit erhielt Monsanto während des Klimagipfels in Kopenhagen den „Angry Mermaid Award“ (INKOTA berichtete). „Via Campesina“ hat als Konsequenz das Verhalten Monsantos zum Angriffspunkt  in ihrem diesjährigen Aufruf zum 17. April gewählt. „Say no to Corporate Control of Agriculture and Food”.

Hakon Albers

INKOTA-netzwerk

INKOTA in der taz

10. September 2009

Heute ist es soweit! INKOTA ist mit seiner Aktionszeitung zur Bundestagwahl in der aktuellen Ausgabe der taz vertreten!

Unser Beileger befasst sich mit der Frage: Wer ernährt die Welt? und versucht so die Projekte und Aktionen zum Themenbereich Hunger, Ernährung und Globale Landwirtschaft stärker in die Öffentlichkeit zu bringen.

Mit dabei sind Artikel über die Möglichkeiten, wie der Hunger in der Welt bekämpft werden kann, ein Kommentar von Vandana Shiva, Trägerin des Alternativen Nobelpreises und Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die meint: „Gentechnik: Nicht mit uns!“.

Wer es nicht mehr schafft, die taz-Ausgabe heute zu ersteigern, der kann die INKOTA-Beilage auch bei uns bestellen oder gleich downloaden. Informationen zu weiteren Materialien findet ihr im INKOTA-Webshop oder unter globalelandwirtschaft@inkota.de.

Auch Aktionspostkarten zum Kandidatencheck zur Bundestagswahl können bestellt oder als E-Cards verschickt werden!

http://www.inkota.de/kandidatencheck

Zurückrudern bei Folgart und der SPD

27. August 2009

Ein veröffentlichtes Interview in der taz mit Udo Folgart, dem Landwirtschaftsminister in Frank-Walter Steinmeiers Schattenkabinett, schlägt hohe Wellen und sorgt innerhalb der SPD für Unruhe mitten im Wahlkampf.

Die taz druckte heute ein Interview mit Folgart ab, in dem er sich für die Zulassung der Gentechnikkartoffel Amflora aussprach und sogar die Ausweitung der Massentierhaltung begrüßte. Die Landwirtschaft solle wieder als Wirtschaft verstanden werden, so der „Experte“ für Agrarpolitik der SPD, der vor ein paar Wochen relativ überraschend ins Schattenkabinett von Kanzlerkandidat Steinmeier gerutscht ist. Zu Recht, gab es auf diese Äußerungen zum Teil heftige Reaktionen: Der Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschft, Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, nannte Folgart einen „agrarkulturpolitischen Banausen“ und bewertete die Benennung Folgarts einen „großen Missgriff“ der SPD. Auch die ehemalige grüne Landwirtschaftsministerin Renate Künast bescheinigte, dass sich die SPD mit „diesem simplen Lobbyisten für Gentechnik“ „zurück in die agrarpolitische Steinzeit“ katapultiere.

Und auch die SPD rückt zunehmend von ihrem Schattenminister ab. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber stellte klar, dass die SPD die Genkartoffel nicht wolle und die Gentechnik mehr Probleme als Hoffnungen berge.  Im Wahlprogramm fordert die Partei sogar mehr Gentechnik-freie Regionen.

Folgart selbst bestreitet die Aussagen in dem Interview, sie seien „überspitzt“ und „verkürzt“ dargestellt worden. Die taz sieht das anders und verweist auf einen Mitschnitt.

Dass seine Forderung nach einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft erstens nichts mit einer geforderten Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen ist und zweitens schon seit Längerem bekannt ist, hätte vielleicht auch der SPD auffallen können. Das es so nicht geht, sollte der Partei jetzt vielleicht klar geworden sein. Laut Agrarexperte Graefe zu Baringdorf passt die Debatte zu der derzeitigen Situation der SPD – sie liege gerade sowieso bei 20 Prozent…

Steinmeier will Gentechnik-Freund als Agrarminister

2. August 2009

Frank Walter Steinmeier hat sein Schattenkabinett vorgestellt. Die erschreckende Nachricht: Der Großbauernlobbyist und Gentechnik-Befürworter Udo Folgart soll das Agrerministerium leiten. Folgart war bis 1991 Chef einer LPG und ist seitdem Geschäftsführer eines agrarindustriellen Betriebes in Brandenburg. Beim Runden Tisch zu Gentechnik, zu dem die amtierende Forschungsministerin Annette Schavan eingeladen hatte, nahm Folgart als Befürworter der Grünen Gentechnik teil. Er vertrat die Meinung, dass die Risiken der Gentechnik überbetont werden und die Diskussion über Chancen unterbunden werden. Laut Folgert kann die Gentechnik zur Ertragserhöhung beitragen und den Hunger in der Dritten Welt bekämpfen helfen.

Mit der Nominierung von Udo Folgert als potentiellen Agrarminister wird die agrarpolitische Richtung des SPD-Kanzlerkandidaten Steinmeier deutlich. Eine nachhaltige Landwirtschaft, die die Bedürfnisse von bäuerlichen Sturkturen berücksichtig, wird unter Steinmeier und Folgert wohl kaum eine Rolle spielen.

Umfrage: Gentechnik zur Hungerbekämpfung

14. Juli 2009

Viele Befürworter der Gentechnik in der Landwirtschaft begründen ihre Unterstützung mit dem Argument, dass nur so der Hunger in der Welt bekämpft werden kann. Gentechnisch veränderte Organismen, die mit weniger Wasser auskommen und hitzebeständig sind, könnten in Zeiten des Klimawandels viel höhere Erträge bringen. (Bericht von einer Veranstaltung mit Klaus Hahlbrock, einem Befürworter der Gentechnik zur Hungerbekämpfung)

Ist die „Grüne Gentechnik“ wirklich ein Ausweg, um den fast eine Milliarde Hungernden zu helfen? Profitieren sie wirklich von den Segnungen der Wissenschaft? Oder sind das alles nur unerreichbare Heilsversprechungen, die am Ende nur den großen Gentechnikunternehmen was nützen, die mit Patenten die Bauern der Welt in Abhängigkeit halten? (Dossier „Hunger und Gentechnik“ vom Informationsdienst Gentechnik)

Was denken Sie?
Stimmen Sie ab bei unserer Umfrage und sagen Sie uns ihre Meinung!

Filmfestival in Darmstadt am 24.04.09

13. Mai 2009

Ich möchte mich bei allen Gästen bedanken die es trotz der sommerlichen Temperaturen an einem Freitagabend ins Kino gezogen hat um sich mit dem derzeit kontrovers diskutiertem Thema „Gentechnik in der Landwirtschaft“ auseinander zu setzen. Ausdrücklich bedanken möchte ich mich für die gelungene Organisation des Rex Programmkinos.

Da bereits vor dem Film durch die Attac-Ortsgruppe Darmstadt viele Fragen rund um den Film und zur aktuellen Gentechnikdiskussion in einem einleitendem Vortrag geklärt wurden, und durch diese Verzögerung viele Gäste bereits kurz nach Film gehen mussten, möchte ich für all jene kurz zusammenfassen welche Fragen noch gestellt wurden:

Neben den rechtlichen Haftungsfragen die rund um das Thema Gentechnik in der Landwirtschaft immer wieder auftauchen wurde vor allem die Frage nach der Gendatenbank auf Spitzbergen für Nutzpflanzen aufgeworfen. Dazu ist meiner Meinung nach folgendes zu sagen: Zum einen ist es sicherlich sinnvoll eine solche Datenbank einzurichten um möglichst viele der existierenden genetischen Variationen zu retten. Allerdings läßt sich auch große Kritik, insbesondere bezüglich der Zugangsrechte zum genetischen Material, üben. Denn nun besitzen alle Saatgutunternehmen den Zugriff auf alle konservierten Arten und können diese zu Forschungszwecken unentgeldlich nutzen. Nur für den Falle einer Kommerzialisierung eines Produkts, was auf entnommene Gene zurückzuführen ist, muß eine vom Gewinn abhängige (geringe) Gebühr bezahlt werden. Dieses Vorgehen war möglich da alle Kulturpflanzen weltweit erst aufgrund der jahrtausendelangen Kultivierung von Nutzpflanzen durch Millionen von Kleinbauern entstanden sind. Man erklärte diese somit zum gemeinsamen Erbe der Menschheit. Das heißt, dass niemand mehr rechtliche Ansprüche auf bestehende Arten hat. Im Gegensatz dazu steht die Patentierung von Saatgut durch Konzerne wie Monsanto. Dies ist möglich weil sie Ihre Produkte als neuartig bezeichnen. Stimmen die Patentämter dieser Argumentation zu, sind diese Produkte rechtlich geschützt und dürfen, weil patentiert, weder nachgezüchtet noch zu weiteren Forschungszwecken verwendet werden. Die Konzerne unterbinden damit genau jene Züchterleistung auf die ihr Geschäft basiert und sorgen damit dafür, dass eine natürliche Weiterentwicklung der Nutzpflanzen an sich ändernde Umweltbedingungen nicht mehr stattfindet. Bauern sind dann gezwungen Monsantos Produkte zu kaufen. Damit wurde Biopiraterie legalisiert und Millionen von Kleinbauern enteignet. Für diese Ungerechtigkeit sind die Saargutunternehmen und Ihre Lobbyisten zumindest mitverantwortlich.

Frank Anders, INOKTA-Referent