Posted tagged ‘NK 603’

Genmais darf stehen bleiben – Es droht die Kontamination

7. Juli 2009

Wir hatten schon im Mai darüber berichtet, dass in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen unbeabsichtigter Weise Mais ausgesät wurde, dass in Spuren mit der gentechnisch veränderten Sorte NK 603 (vom Gentechnik-Multi Monsanto) verseucht war. In Hessen begegnete man dem Problem damit, den gesamten Mais zu vernichten und so die Verbreitung von gentechnisch verändertem Gut vorzubeugen. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wird hingegen nicht so rigoros vorgegangen. Dort empfahl zwar das Ministerium den betroffenen Landwirten den Mais umzupflügen, überließ die Entscheidung aber den Bauern.

Die 14 Landwirte haben sich nun dazu entschieden den Mais stehen zu lassen! Er soll dann für die Biogasproduktion oder als Futtermittel verwendet werden.

Wenn die Pflanzen jedoch erst einmal blühen, ist eine Kontamination sehr wahrscheinlich. Bernd Murschel, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Baden-Württembergischen Landtag, bezeichnet daher den Anbau als den „bislang größten Freilandversuch mit Genmais“ und fordert: „Die Pflanzen müssen vom Acker“. Auch der Deutscher Berufsimker Bund (DBB) fordert die sofortige Vernichtung der Maisaussaat. Würden Pollen des verseuchten Maises in den Honig gelangen, müsse mit einem massiven Imageverlust und Umsatzeinbußen gerechnet werden. 80% der Verbraucher lehnen Gentechnik in Lebensmitteln ab. Das Vorgehen verstößt zudem klar gegen das in der EU geltende Anbauverbot für den Genmais NK603.

Wie solch eine Genehmigung erteilt werden konnte, ist nicht zu erklären und erfordert den entsprechenden Widerstand, ansonsten, so die Befürchtung des grünen Landtagsabgeordneten, könne man bald nicht mehr von einer hundertprozentigen Sicherheit auf Gentechnikfreiheit auf Feldern, in Futtertrögen und in Produkten ausgehen.

_Nachtrag vom 14.Juli: Es passiert endlich was! Die Landesverbände von Bioland, BUND, Demeter und NABU haben Anzeige gegen Unbekannt wegen nicht genehmigter Freisetzung von gentechnisch veränderten Maispflanzen gestellt. Die verunreinigten Maisbestände müssen unverzüglich vernichtet werden. Hier die Pressemittelung vom BUND.

Advertisements

Lebensmittelbehörde hält Monsanto’s Maissorten für unbedenklich

1. Juli 2009

Der US-amerikanische Gentechnik-Multi Monsanto fordert die Wiederzulassung seiner Maissorte MON 810 bzw. die Neuzulassung einer weiteren Sorte NK 603 in Europa. Grund dafür ist die Neubewertung der Maissorten durch die Europäische Lebensmittelagentur EFSA. Diese stellt in einem Gutachten fest, dass MON 810 sicher sei und befürwortet zudem den Anbau von NK 603. Im Vergleich zu konventionellem Mais gäbe es keine zusätzlichen gesundheitlichen Gefährdungen. Dabei stellt die Behörde zwar fest, dass Auswirkungen der gentechnisch eingebauten Gifte auf Tiere (z.B. Schmetterlinge) durchaus zu befürchten seien, diese sind aber nicht „signifikant“ genug, die Effekte könnten daher mit anderen Maßnahmen begrenzt werden. Die Einwände von Honigbauern werden ebenfalls zurückgewiesen und die von der Bundesregierung vorgebrachten Einflüsse von MON 810 auf Marienkäfern werden wissenschaftliche Fehler unterstellt. (Zusammenfassung des Gutachtens von Save Our Seeds)

Kurios an der Sache ist zudem, dass Monsanto den Bericht der Behörde schon 2 Tage vor der Öffentlichkeit erhalten hat! Mehrere Organisationen, wie Friends of the Earth oder Global2000 aus Österreich versuchten zunächst vergeblich den Bericht zu erhalten. Erst gestern wurde er nun auf der Internetseite der EFSA bereitgestellt. Monsanto lobte die Entscheidung, die europäische Kommission sei nun verpflichtet seine beiden Maissorten zuzulassen (MON 810 produziert ein Gift gegen den Maiszünsler, NK 603 ist zusätzlich noch resistent gegen Monsanto’s Totalherbizid „RoundUp“). Zudem forderte der Konzern die Aufhebung der nationalen Verbote von 6 EU-Staaten (darunter auch Deutschland).

Ob sich die Länder das gefallen lassen, ist sehr unwahrscheinlich. Auf dem Umweltministertreffen in der letzten Woche wurde schon darüber nachgedacht, ob Entscheidungen der (anscheinend gentechnik-freundlichen) EFSA wirklich zu einer Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen (GVOs) in ganz Europa führen sollen. Derzeit von vielen befürwortet wird hingegen, dass die Nationalstaaten selbst über die Zulassung und den Anbau von GVOs entscheiden sollen, auch wenn die EFSA alles für unbedenklich hält…

Angst vor Kontamination

27. Mai 2009

Zwar gibt es seit ein paar Wochen ein offizielles Verbot von Genmais in Deutschland, doch die Fälle von unwissentlichen Aussaaten von gentechnisch veränderten Mais häufen sich.

Zunächst wurde in Hessen auf insgesamt 4 Hektar Land Mais ausgesät, der Spuren von gentechnisch veränderten Sorten enthält, die in Deutschland nicht zugelassen sind. Der betroffene Bauer wusste von der Verunreinigung nichts und ihn trifft, laut Agrar-Staatssekretär Mark Weinmeister auch keine Schuld. Der Konzern, der das Saatgut vertrieben hat sei für die Verunreinigung verantwortlich, eine sofortige Rückrufaktion wurde veranlasst, um dieser „Schlamperei“ zu begegnen.

Einen ähnlichen Fall ist nun auch in Baden-Württemberg zu beobachten. Dort hatten 10 Landwirte auf einer Fläche von 170 Hektar unwissentlich konventionelles Saatgut ausgebracht, dass jedoch ca. 0,1 Prozent des gentechnisch veränderten Mais NK 603 des US-Saatgutkonzerns Monsanto enthält. Dieser Verunreinigung soll laut den zuständigen Umweltministerien damit Abhilfe geschaffen werden, den Mais unterzupflügen und neu zu säen. Die Landwirte könnten den Genmais aber auch wachsen lassen! Sie müssten diesen dann aber zu 100% zur Biogasproduktion verwenden.

Die Umweltministerien scheinen dabei vollends zu vergessen, dass diese Maissorte schlicht nicht angebaut werden darf! Aktivisten und Organisationen laufen gegen diesen Vorschlag nun Sturm. Wenn der Mais erst einmal blühe, sei eine Kontamination anderen Felder nicht mehr ausgeschlossen. „Bioland“ droht sogar mit einer Klage.

Ob nun Zufall oder nicht, um zu verhindern, dass gentechnisch veränderter Mais nicht durch die Hintertür der Kontamination nach Deutschland kommt, ist weiterhin eine wachsame Öffentlichkeit und energisches Vorgehen der Politik gefragt. Und der Druck der Bürger…

zu den beiden Artikeln:

taz vom 20.05.09 Bauern dürfen illegalen Mais wachsen lassen“

Osthessen-News vom 18.05.09 „„Schlamperei“ – Landwirt säte unwissentlich gentechnisch veränderte Sorte aus“