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Gentechnik im Schafspelz: falsche Biobaumwolle aus Indien

22. Januar 2010

Was indische Behörden schon seit April 2009 wussten, ist nun auch in den westlichen Medien angekommen: Baumwollmengen „im gigantischen Ausmaß“, so der Direktor der indischen Agrarbehörde Apeda, seien als biologisch ausgezeichnet worden, stammten jedoch tatsächlich aus gentechnisch veränderten (gv) Baumwollfeldern. Diese Baumwolle hätte die strengen Ökostandards der westlichen Textilunternehmen nie passieren können. Doch anscheinend arbeiteten die privaten Zertifizierungsfirmen der Handelsketten mit Dutzenden Dörfern, die gv-Baumwolle anbauten, Hand in Hand und brachten so die Baumwolle auf den Markt.Textilhändler engagieren oft unabhängige Zertifizierer, die die Einhaltung der Ökostandards in den Produktionsländern überwachen.

Indien produziert rund die Hälfte der weltweit immer beliebter werdenden Biobaumwolle. Unter anderem sind die Ketten H&M, C&A und Tchibo von dem Betrugsfall betroffen, berichtet Financial Times Deutschland. H&M vertreibt beispielsweise seit 2007 die Marke „Organic Cotton“ und wirbt mit hundertprozentig „ökologisch angebauter Baumwolle“.  Die Sprecher von C&A und Tchibo zeigten sich vollkommen überrascht von dem Skandal aus Asien und beteuerten ihr Unwissen.

Man sieht: Nur dem Zertifikat „bio“ glauben, beruhigt höchstens das Gewissen der Konsumenten. Der Skandal aus Indien reiht sich in der jüngsten Geschichte ein, wo selbst Institutionen wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nicht fähig scheinen effizient und unabhängig die Einfuhr gentechnisch veränderter Organismen (GVO) zu prüfen oder ein gv-Produkt von BASF namentlich im Koalitionsvertrag Erwähnung findet (INKOTA berichtete ). Die Verbraucher sollten stärker (unabhängige!) Informationen einfordern und im Fall Indien vehement an der exakten Klärung der Vorfälle festhalten. Nur durch den Druck der Öffentlichkeit und vor allem ihrer Kunden werden die betroffenen Handelsketten wirksam ihre Lieferkette und ihre Zertifizierer in der Zukunft stärker überwachen. Nur ein weltweites Verbot kann verhindern, dass auch bei uns gentechnisch veränderte Produkte auf den Markt kommen. Der jüngste Fall zeigt, dass Zertifizierungssysteme wieder einmal bei der Umsetzung gescheitert sind.

Laura Möhr,

INKOTA-netzwerk

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